Subj: my mother

by
Catherine DeCourten




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In wenigen Tagen werde ich ueber Weihnachten nach Hause fahren zu meiner Mutter. Soweit ich zurueckdenken kann, gibt es bei uns dasselbe Weihnachtsmenu: Schinken, Sauerkraut und Kartoffelpueree. Auch backt meine Mutter jedes Jahr dieselben vier Sorten Weihnachtskekse. Ich kann mich erinnern, wie sie an einem Weihnachten lustvoll neue Keksrezepte ausprobierte. Mein Vater wurde aergerlich ueber die gestoerte Ordnung und meine Mutter hat sich wieder auf die vier traditionellen Keksarten beschraenkt. Erst in den letzten Jahren - meine Eltern haben sich getrennt , doch mein Vater kommt am Festtag immer noch zu uns - backt meine Mutter auch andere Weihnachtskekse. Und das Festtagsmenu wurde um Rotkraut erweitert fuer alle jene, die Sauerkraut nicht moegen. Ich mag es, wie meine Mutter die Festtage mit Sorgfalt und Liebe begeht. Und dazu gehoert auch das Festhalten am Immerselben.
In diesem Jahr bin ich halb so alt geworden wie meine Mutter. In letzter Zeit - vor 10 Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen und seit 6 Jahren lebe ich in einer weit entfernten Stadt im Ausland - befrage ich wieder unsere Beziehung. Bin ich selten mal zu Besuch zu Hause, hat meine Mutter den Kuehlschrank mit all meinen Leibspeisen gefuellt und fragt, ob sie meine Waesche waschen soll. So zeigt sie ihre Liebe und ich bin genervt. Unser Verharren in der bewaehrten Mutter-Kind-Beziehung macht mich traurig. Ich wuensche mir, mit meiner Mutter ueber unsere Erfahrungen, Wuensche und Traeume sprechen zu koennen, eine Naehe mit ihr zu teilen, die nicht nur aus muetterlicher Fuersorge und allesverstehender Liebe, einem immer fuer-mich-Dasein, besteht. Es gelingt uns selten. Meine Mutter ist sehr weich, und darin stark. Heftige Auseinandersetzungen hatte ich mit meinem Vater. Wohingegen meine Mutter ihren Vater immer sehr verehrt hat. Bei der Suche nach meinem Frausein ist sie mir ein abschreckendes Beispiel. Ich empfinde den Widerspruch, mich nach der Idee des sicheren Nestes zu sehnen. Dem ganz konkreten, das meine Mutter mir anbietet, muss ich mich entziehen hin zu den Bewegungen und Veraenderungen, die mein Leben ausmachen. Ich liebe meine Mutter.

- telematic workgroup/dezember 1995


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